Fabrikfertige und selektive Mittelspannungsanlagen – Prüfung in Würzburg
Moderne Mittelspannungs-Schaltanlagen sind überwiegend fabrikfertige, typgeprüfte Schalteinheiten – ihre Prüfanforderungen unterscheiden sich von denen für konventionell vor Ort errichtete Anlagen. In Würzburg und Umgebung vermitteln wir Fachbetriebe, die sowohl die fabrikfertige Typprüfung überprüfen als auch die Selektivität der gesamten MS-Verteilung bewerten.
Fabrikfertige Schaltanlagen (nach IEC 62271-200)
Fabrikfertige MS-Schaltanlagen (Ringkabelschränke, gasisolierte SF6-Schaltanlagen, luftisolierte Schaltfelder nach IEC 62271-200) durchlaufen bereits im Herstellerwerk eine vollständige Typprüfung:
- Störlichtbogenprüfung (IAC – Internal Arc Classification): Nachweis der Störlichtbogensicherheit – Klasse AFL (Front), AFLR (Front + Seiten + Rückseite). Der Prüfer in Würzburg kontrolliert, ob die Einbausituation die typgeprüfte Aufstellung widerspiegelt
- Stückprüfung nach IEC 62271-200: Jede einzelne Schalteinheit wird im Werk mit Spannungsprüfung und Funktionsprüfung getestet – die Stückprüfprotokolle sind bei der wiederkehrenden Prüfung vor Ort zu prüfen
- Druckprüfung (gasdichte Kapselung): Bei SF6-isolierten Anlagen – kontinuierliche Gasdichtemessung und Kontrolle auf Gasverlust über die Jahre
Selektivitätsprüfung
Die Selektivität stellt sicher, dass im Kurzschlussfall nur das nächstgelegene Schutzorgan auslöst – die übrigen Anlagenteile bleiben in Betrieb. Die Selektivitätsprüfung umfasst:
- Stromselektivität: Staffelung der Auslöseströme – der Abgangsschalter muss bei einem Kurzschluss im Abgangskabel vor dem Einspeiseschalter auslösen
- Zeitselektivität: Staffelung der Auslösezeiten – meist UMZ-Staffel (unabhängiger Maximalstrom-Zeitschutz)
- Logikselektivität / Zonenselektivität: Bei digitalen Schutzrelais – die Relais kommunizieren untereinander und blockieren übergeordnete Schutzeinrichtungen bei Fehlern im eigenen Bereich
- Rückwärtsselektivität: Bei Netzen mit Eigenerzeugung (PV-Anlagen, BHKW) in Würzburg – Fehlerströme können bidirektional fließen, die Staffelung muss dies berücksichtigen
Ablauf der Prüfung
1. Typ- und Stückprüfungs-Check: Abgleich der vorhandenen Schaltanlage mit den Herstellerangaben und Typenschildern. 2. Selektivitätsprüfung: Schutzrelais-Kennlinien auslesen, mit dem Staffelplan vergleichen und ggf. nachstellen. 3. Primärstromprüfung: Simulation von Fehlerströmen und Messung der Auslösezeiten – der einzig sichere Nachweis der Selektivität. 4. Protokoll: Dokumentation der Einstellparameter mit Staffelplan und Auslösekennlinien.
Anlage und Betrieb beschreiben – mögliche Prüfung vermitteln lassen.
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